„Ein Weltmeister wird im Winter gemacht“

Franz Anton gilt als einer der talentiertesten deutschen Slalomkanuten. Der 24 Jahre alte Polizeimeister vom Leipziger Kanu-Club fährt in seinem Kanadier mit dem Sportausweis-Logo auf dem Boot. Bei der EM fuhr er sowohl im Team und im Einzel unter die Top 10 und ist im aktuellen Weltcup vorne platziert. Bereits als U23-Fahrer konnte er WM- und EM-Medaillen sammeln. Wir haben mit ihm über sich und seinen Sport gesprochen.

Franz Anton Kanuslalom Deutscher Sportausweis

Wer hat dich zu deinem Sport gebracht und in welchem Alter war das?
Franz Anton: Meine Mutti hat einen Zeitungsartikel von dem Meißner Kanuverein gelesen in welchem ein Schnupperkurs angeboten wurde und hat mich daraufhin zusammen mit meinem Bruder da abgesetzt – und ich bin dabei geblieben. Ich war 10 Jahre alt.

Was zeichnet einen Kanuten aus?
Franz Anton: Er muss in jeder Situation blitzschnell reagieren können und die richtige Entscheidung treffen. Man schaut sich zwar die Strecke vor einem Lauf an, aber das Wasser ist nie gleich, es verändert sich ständig, mal ist da eine Welle, das andere mal steht es genau an der selben Stelle oder fließt in eine andere Richtung. Man kann sich nur einen groben Plan vor einem Wettkampf machen, die Entscheidung, wie genau man jetzt ein Tor oder eine Passage fährt, die wird auch erst in exakt dieser Sekunde getroffen.

Was zeichnet dich ganz besonders aus?
Franz Anton: Ich habe an mich selber einen hohen Anspruch, wenn es um das Training geht. Es steht bei mir an oberster Priorität. Ich trainiere täglich an sechs Tagen in der Woche. Je nachdem in welcher Phase wir uns im Jahr befinden, trainiere ich mehr Kraft- und Ausdauertraining oder Schnelligkeit- und Techniktraining. Es wird auch im Winter auf dem Wasser trainiert – solange bis der Fluss zugefroren ist. Das kann zwar sehr unangenehm sein, aber ein Weltmeister wird im Winter gemacht!

Hast du auch Schwächen?
Franz Anton: Ja, die habe ich und ich arbeite seit Jahren daran, sie los zu werden. Ich würde sagen, der Anspruch an mich selber ist auch eine Schwäche, weil es manchmal Situationen gibt, wo eine Pause mehr bringen würde, als noch eine Trainingseinheit. Mir fällt es dann schwer, das zu akzeptieren.

Kannst du dich an deinen ersten Erfolg in deinem Sport erinnern?
Franz Anton: Ja und wie! Es waren die Vereinsmeisterschaften 1999. Ich habe zusammen mit einem viel älteren und größeren Jungen im Kanuverein angefangen und bei diesem ersten Wettkampf habe ich gegen ihn gewonnen.

Wann hast du gemerkt, dass dich dein Sport vielleicht sogar bis zu den Olympischen Spielen führen kann?
Franz Anton: Eigentlich seit ich mit dem Sport begonnen habe. Ich wusste, dass die Olympischen Spiele das größte an Erfolg für einen Sportler sind, also wollte ich dahin kommen und dieses Ziel habe ich immer noch.

Welche Rolle haben deine Eltern und deine Trainer bei deiner Entwicklung gespielt? Als Förderer, Berater, Tröster und Anfeuerer?
Franz Anton: Meine ersten Trainer haben mir das Paddeln beigebracht und mir den Spaß an dem Sport gezeigt. Meine Eltern habe ich mittlerweile immer sehr gerne bei meinen Wettkämpfen dabei. Ich brauch sie nicht unbedingt als moralische Unterstützung, aber es ist immer ein gutes Gefühl zu wissen, das sie auch da sind. Wenn sie es mal nicht schaffen, dann schauen sie es sich meistens im Fernsehen oder am Computer live an und schreiben mir dann immer nach jedem Lauf.

Wie viele Wochen im Jahr bist du für deinen Sport mit Training und Wettkampf unterwegs?
Franz Anton: Vier bis fünf Monate bin ich überall auf der Welt unterwegs.

Was zählt alles zu deinem Gepäck auf den internationalen Reisen?
Franz Anton: Natürlich die normalen Alltagsgegenstände, die man so zum Leben braucht. Es ist natürlich auch davon abhängig, wo es hingeht und für wie lange. Die Reisetasche für vier Wochen Australien ist größer als für eine Woche England, aber ich habe in der Regel immer zwei große Taschen, eine mit Kanusachen und die anderen mit den normalen Anziehsachen. Eine Packung Kaugummis und Gummitiere findet sich auch immer irgendwo.

Franz Anton auf Reise

Welche persönlichen Gegenstände sind immer dabei?
Franz Anton: Ich habe immer meinen Fotoapparat mit.

Hast du einen Glücksbringer?
Franz Anton: Ich hatte mal ein Cent-Stück in meinem Boot stecken, das sich verklemmt hatte. Aber es hat mir außer rostigem Wasser in meinem Boot nicht so viel gebracht.

Was war deine längste Zeit im Boot sitzend unter Wasser?
Franz Anton: Puh, das ist gar nicht so leicht zu beantworten, wenn man selber unter Wasser ist, dann kommt es einem immer wie eine Ewigkeit vor. In der Panik wird dann auch ganz schnell die Luft knapp und man denkt daran, dass zwei Meter später ein großer Stein kommt. Aber ich würde schätzen, um die zehn Sekunden. Blöd wird es dann, wenn man schon aus dem Boot raus ist, aber immer noch nicht an die Wasseroberfläche kommt.

Hast du eine Lieblingsstrecke, vielleicht sogar eine Empfehlung für eine spektakuläre Kanutour?
Franz Anton: Ja, also alle Wildflüsse in Österreich sind mal ein Abenteuer wert. Allerdings nur, wenn man es wirklich kann. Ansonsten immer unter Anleitung. Wer es nicht kann und es sich aber trotzdem zutraut, der kann gerne bei meiner Trainingsstätte im Kanupark Markkleeberg vorbei kommen und sich dort im Raftingboot oder auch Kanu den Wildwasserkanal runterstürzen. Meine Lieblingsstrecke ist der Kanal von den Olympischen Spielen 2012 in London.

Wo findet man einen Kanuverein, wenn man dir nacheifern möchte?
Franz Anton: Kanuvereine findet man in jeder Stadt. Wenn man Wildwasser fahren möchte, so wie ich, dann schränkt sich das schon mehr ein, die großen Stützpunkte sind Augsburg, Leipzig und Hohenlimburg.

Vielen Dank Franz, dass Du uns Rede und Antwort gestanden hast!


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