Premiere in Miami für Constanze Stolz

Erste ISAF-Weltcup-Teilnahme in Miami für Constanze Stolz (DYC): Nach herausfordernden Regattatagen mit der deutschen Segelnationalmannschaft im Laser Radial, die von den Veranstaltern selbst als „wild and tolly“ bezeichnet wurden, lautete das Endergebnis für die 19-Jährige: Platz drei in der Silverfleet – unter anderem mit Platzierungen 1, 2, und 4 – sowie Rang 43 insgesamt. Gestartet waren 80 Seglerinnen, darunter die gesamte Weltelite in dieser Bootsklasse. Damit rückt Constanze auf Rang 48 der ISAF-Weltrangliste vor.

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Zurück in Deutschland, steht derzeit zunächst Kraft- und Konditionstraining in Kiel an. Rosenmontag geht es zurück nach Cadiz/Spanien, wo die Nationalmannschaft bereits im zweiten Jahr ihr Wintertraining absolviert. Dort wird das Carnival-Race, bei dem viele internationale Spitzensegler an den Start gehen, die nächste Herausforderung sein. Danach geht es per Fähre mit den Booten nach Palma de Mallorca, wo über Ostern der EuroSaf-Europacup, die traditionelle Princesa-Sophia-Trophy, stattfindet.

Mehr Infos zu Constanze gibt es auf ihrer Internetseite.

Ende 2013 haben wir Constanze in unserer Video-Reihe „Perspektive Gold – Junge Sportler im Fokus“ vorgestellt. Schaut Euch hier das Video an:

Constanze Stolz (DYC) segelt für Deutschland

Der Count-down läuft für Constanze Stolz, 19-jährige Leistungsseglerin des Düsseldorfer Yacht Club (DYC) und Mitglied der Segelnationalmannschaft in der für Frauen olympischen Bootsklasse Laser Radial: Ab dem 12. September starten die Regatten zur Weltmeisterschaft aller olympischen Bootsklassen des internationalen Segelverbandes (ISAF) im spanischen Santander. Rund 1400 Seglerinnen und Segler kämpfen in ihren Bootsklassen nicht nur um die ISAF-WM-Titel, sondern auch um die Nationenstartplätze für ihr Land bei der Olympiade 2016 im brasilianischen Rio de Janeiro. Stolz, die nach ihrem Abitur in Düsseldorf im vergangenen Jahr ein Psychologie-Studium an den Fern-Universität Hagen aufgenommen hat zum besseren Vereinbaren von Leistungssport und Studium, hatte die Qualifikation für diese herausragende, nur alle vier Jahre stattfindende Segel-WM im Frühjahr bei den Welt-Cups auf dem Mittelmeer vor Mallorca und dem französischen Hyeres erreicht. Das Mitglied im Stockheim Team Rio der Landeshauptstadt Düsseldorf und Botschafterin der boot Düsseldorf wird im 120 Teilnehmerinnen aus 58 Nationen starken Feld der olympischen Frauen-Einhand-Klasse Laser Radial ihr Bestes geben, um das Ziel „Startplatz für Deutschland“ zu erreichen.

Constanze Stolz © LSB NRWFoto Andrea Bowinkelmann

Beim Kräftemessen auf den Gewässern der Biskaya vor Santander ist die gesamte Weltspitze am Start. In zehn Regatten und dem finalen Medalrace der zehn Besten wird in dieser Klasse bis zum 18. September die Entscheidung ausgesegelt. „Ich weiss, wie anspruchsvoll das Gewässer hier mit Strömung und Welle ist, und habe mit der Nationalmannschaft und Bundestrainer Jürgen Brandstötter einige Einheiten im Vorfeld in Santander trainieren können. Ich bin super motiviert und voll konzentriert. Auch weil es gepasst hat, dass ich meine Uni-Klausuren des zweiten Semesters vorher geschrieben habe“, so die Studentin, die den Spagat zwischen Sport und Ausbildung auch mit Unterstützung der Sportstiftung NRW meistert. „Ich hoffe auf guten Wind und faire Bedingungen, um einen guten Beitrag zum deutschen Ergebnis beisteuern zu können“.

Mit Constanze in der Nationalmannschaft sind außerdem Svenja Weger (PYC), Chiara Steinmüller (SCA) und Pauline Liebig (DSMC).

Mehr Infos zu Constanze gibt es auf Ihrer Internetseite.

„Ein Weltmeister wird im Winter gemacht“

Franz Anton gilt als einer der talentiertesten deutschen Slalomkanuten. Der 24 Jahre alte Polizeimeister vom Leipziger Kanu-Club fährt in seinem Kanadier mit dem Sportausweis-Logo auf dem Boot. Bei der EM fuhr er sowohl im Team und im Einzel unter die Top 10 und ist im aktuellen Weltcup vorne platziert. Bereits als U23-Fahrer konnte er WM- und EM-Medaillen sammeln. Wir haben mit ihm über sich und seinen Sport gesprochen.

Franz Anton Kanuslalom Deutscher Sportausweis

Wer hat dich zu deinem Sport gebracht und in welchem Alter war das?
Franz Anton: Meine Mutti hat einen Zeitungsartikel von dem Meißner Kanuverein gelesen in welchem ein Schnupperkurs angeboten wurde und hat mich daraufhin zusammen mit meinem Bruder da abgesetzt – und ich bin dabei geblieben. Ich war 10 Jahre alt.

Was zeichnet einen Kanuten aus?
Franz Anton: Er muss in jeder Situation blitzschnell reagieren können und die richtige Entscheidung treffen. Man schaut sich zwar die Strecke vor einem Lauf an, aber das Wasser ist nie gleich, es verändert sich ständig, mal ist da eine Welle, das andere mal steht es genau an der selben Stelle oder fließt in eine andere Richtung. Man kann sich nur einen groben Plan vor einem Wettkampf machen, die Entscheidung, wie genau man jetzt ein Tor oder eine Passage fährt, die wird auch erst in exakt dieser Sekunde getroffen.

Was zeichnet dich ganz besonders aus?
Franz Anton: Ich habe an mich selber einen hohen Anspruch, wenn es um das Training geht. Es steht bei mir an oberster Priorität. Ich trainiere täglich an sechs Tagen in der Woche. Je nachdem in welcher Phase wir uns im Jahr befinden, trainiere ich mehr Kraft- und Ausdauertraining oder Schnelligkeit- und Techniktraining. Es wird auch im Winter auf dem Wasser trainiert – solange bis der Fluss zugefroren ist. Das kann zwar sehr unangenehm sein, aber ein Weltmeister wird im Winter gemacht!

Hast du auch Schwächen?
Franz Anton: Ja, die habe ich und ich arbeite seit Jahren daran, sie los zu werden. Ich würde sagen, der Anspruch an mich selber ist auch eine Schwäche, weil es manchmal Situationen gibt, wo eine Pause mehr bringen würde, als noch eine Trainingseinheit. Mir fällt es dann schwer, das zu akzeptieren.

Kannst du dich an deinen ersten Erfolg in deinem Sport erinnern?
Franz Anton: Ja und wie! Es waren die Vereinsmeisterschaften 1999. Ich habe zusammen mit einem viel älteren und größeren Jungen im Kanuverein angefangen und bei diesem ersten Wettkampf habe ich gegen ihn gewonnen.

Wann hast du gemerkt, dass dich dein Sport vielleicht sogar bis zu den Olympischen Spielen führen kann?
Franz Anton: Eigentlich seit ich mit dem Sport begonnen habe. Ich wusste, dass die Olympischen Spiele das größte an Erfolg für einen Sportler sind, also wollte ich dahin kommen und dieses Ziel habe ich immer noch.

Welche Rolle haben deine Eltern und deine Trainer bei deiner Entwicklung gespielt? Als Förderer, Berater, Tröster und Anfeuerer?
Franz Anton: Meine ersten Trainer haben mir das Paddeln beigebracht und mir den Spaß an dem Sport gezeigt. Meine Eltern habe ich mittlerweile immer sehr gerne bei meinen Wettkämpfen dabei. Ich brauch sie nicht unbedingt als moralische Unterstützung, aber es ist immer ein gutes Gefühl zu wissen, das sie auch da sind. Wenn sie es mal nicht schaffen, dann schauen sie es sich meistens im Fernsehen oder am Computer live an und schreiben mir dann immer nach jedem Lauf.

Wie viele Wochen im Jahr bist du für deinen Sport mit Training und Wettkampf unterwegs?
Franz Anton: Vier bis fünf Monate bin ich überall auf der Welt unterwegs.

Was zählt alles zu deinem Gepäck auf den internationalen Reisen?
Franz Anton: Natürlich die normalen Alltagsgegenstände, die man so zum Leben braucht. Es ist natürlich auch davon abhängig, wo es hingeht und für wie lange. Die Reisetasche für vier Wochen Australien ist größer als für eine Woche England, aber ich habe in der Regel immer zwei große Taschen, eine mit Kanusachen und die anderen mit den normalen Anziehsachen. Eine Packung Kaugummis und Gummitiere findet sich auch immer irgendwo.

Franz Anton auf Reise

Welche persönlichen Gegenstände sind immer dabei?
Franz Anton: Ich habe immer meinen Fotoapparat mit.

Hast du einen Glücksbringer?
Franz Anton: Ich hatte mal ein Cent-Stück in meinem Boot stecken, das sich verklemmt hatte. Aber es hat mir außer rostigem Wasser in meinem Boot nicht so viel gebracht.

Was war deine längste Zeit im Boot sitzend unter Wasser?
Franz Anton: Puh, das ist gar nicht so leicht zu beantworten, wenn man selber unter Wasser ist, dann kommt es einem immer wie eine Ewigkeit vor. In der Panik wird dann auch ganz schnell die Luft knapp und man denkt daran, dass zwei Meter später ein großer Stein kommt. Aber ich würde schätzen, um die zehn Sekunden. Blöd wird es dann, wenn man schon aus dem Boot raus ist, aber immer noch nicht an die Wasseroberfläche kommt.

Hast du eine Lieblingsstrecke, vielleicht sogar eine Empfehlung für eine spektakuläre Kanutour?
Franz Anton: Ja, also alle Wildflüsse in Österreich sind mal ein Abenteuer wert. Allerdings nur, wenn man es wirklich kann. Ansonsten immer unter Anleitung. Wer es nicht kann und es sich aber trotzdem zutraut, der kann gerne bei meiner Trainingsstätte im Kanupark Markkleeberg vorbei kommen und sich dort im Raftingboot oder auch Kanu den Wildwasserkanal runterstürzen. Meine Lieblingsstrecke ist der Kanal von den Olympischen Spielen 2012 in London.

Wo findet man einen Kanuverein, wenn man dir nacheifern möchte?
Franz Anton: Kanuvereine findet man in jeder Stadt. Wenn man Wildwasser fahren möchte, so wie ich, dann schränkt sich das schon mehr ein, die großen Stützpunkte sind Augsburg, Leipzig und Hohenlimburg.

Vielen Dank Franz, dass Du uns Rede und Antwort gestanden hast!


Franz Anton im Netz:

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Jan Sadler – mit dem Autoscooter auf dem Weg nach Rio

Jan Sadler verkörpert sozusagen das LOTTO Sportinternat beim Landessportbund Niedersachsen. Seit der Internats-Neubau mit Beginn des Schuljahres 2010/2011 im Sportpark Hannover eröffnet wurde, wohnt der 20 Jahre alte Wedemarker dort. Im Vergleich zu den meisten anderen Sportlerinnen und Sportlern, die hier leben und trainieren (63 in Vollzeit, 48 in Teilzeit), gelten für Jan aber andere Voraussetzungen. Er kam mit offenem Rücken (Spina bifida) zur Welt, einer sogenannten Neuralrohrfehlbildung. Seit seinem fünften Lebensjahr sitzt er im Rollstuhl. Mehr oder weniger. „Was geht, mache ich zu Fuß“, sagt der Schüler der Kooperativen Gesamtschule Hemmingen – nur seinen Lieblingssport Basketball spielt er aus dem Rollstuhl heraus. Definitiv. „Das ist wie Autoscooter-Fahren mit Ball.“

Und das Spiel betreibt der ehemalige Jugend-Schwimmer erfolgreich wie kaum ein zweiter in seinem Alter in Deutschland: U23-Weltmeister im vergangenen Jahr, U22-Europameister 2012. Nominiert als Sportler des Jahres in Hannover und zur Wahl zum Behindertensportler des Jahres in Norddeutschland. Mit der Nationalmannschaft wurde er sogar schon als Team des Jahres im Behindertensport ausgezeichnet. Anfang des Jahres wurde er in den erweiterten Kader für die Weltmeisterschaft berufen, doch Sadler entschied sich erst einmal gegen den Kampf um einen Platz im Nationalteam und für die weitere Teilnahme am Kadertraining der Junioren.

Auch wenn die „Nachwuchsförderung im Leistungssport“ nicht jeden immer vor dem Abstieg retten kann – denn mit seinem Verein Hannover United wird er die Bundesliga wohl nicht halten können – sagt Jan Sadler aus tiefster Überzeugung: „Dass wir mit mehreren Spielern am Stützpunkt trainieren können, hat uns alle weiter entwickelt. Wir sind viel besser geworden.“ Und das, obwohl die Rollstuhl-Basketballer in und um Hannover nahezu täglich die Hallen wechseln müssen. Trotzdem seien die internationalen Erfolge mit der bundesweiten Bildung von Stützpunkten zu erklären. Wenn Sadler von seinem großen Ziel spricht, dann verwundert das kaum: „Ich halte Rio 2016 für machbar.“ 2012 waren er und weitere Sportler aus Niedersachsen mit dem Behinderten-Sportverband Niedersachsen bereits in London vor Ort. Als einfache, aber sehr begeisterte Zuschauer. „Das will ich selbst einmal erleben!“ Warum also nicht gleich bei der nächsten Gelegenheit in Brasilien in gut zwei Jahren? Die „Perspektive Gold“ wird ihn jedenfalls auf dem Weg dorthin begleiten.

Mehr Infos unter www.hannover-united.de.

DOSB-Beitrag über Jan Sadler (02.04.2014)

Zwei Brüder, eine Leidenschaft – Schwimmen, so schnell wie der Albatros

Zwillinge – das wäre mal was im deutschen Sport. Zwei Schwimmer so stark, so schnell und so erfolgreich wie die Klitschko-Brüder. Hendrik und Marek Ulrich könnten das mal werden. Aufgewachsen in Dessau-Roßlau. Bodenständig, gradlinig. Gute Jungs aus einer Schwimmfamilie. Die Mutter war Schwimmerin; die Oma hat die beiden Fünfjährigen mit dem Seepferdchen ins Wasser gesetzt – und eine Leidenschaft ausgelöst.

Heute sind die zwei Jungs 17 Jahre alt. Marek misst 1,99 m bei 90 kg Körpergewicht und 203 cm Spannweite; Hendrik ist 1,96 m bei  87 kg und 202 cm Spannweite. Seit 2007 trainierend, schwimmend und lebend in Halle an der Saale. Sportschule, Sportinternat, die Schwimmhalle beim SV vor der Nase. Olympiastützpunkt. Alles knapp 50 Kilometer von den Eltern entfernt.

Marek liegen die 50m und 100m Freistil, Hendrik die längeren Distanzen.
Ach ja, und erfolgreich sind sie! Für jeden gab es im vergangenen Sommer Gold bei den Europäischen Jugendspielen. Dazu jeweils Silber. Jahrgangsrekorde in Deutschland. Aber was für viele viel wichtiger ist: Sie sind fast so schnell wie der legendäre Albatros Michael Gros im vergleichbaren Alter. „Flieg Albatros, flieg!“ den gebürtigen Frankfurter trug es zu drei Mal Gold bei Olympischen Spielen, er wurde fünf Mal Weltmeister und dreizehn Mal Europameister. Ein großes Vorbild – und ein weiter Weg.

Deshalb: immer mal ruhig mit den jungen Pferden. Christian Holzmacher, seit Jahrzehnten als Moderator Begleiter der Schwimmszene, ordnet das auch berlinerisch kühl und sicher ein. „Wenn die zwei sich weiter so entwickeln, dann kann das was werden.“ Aber zwischen der Jugend und dem harten Wettkampfalter liegen noch ein paar Jahre und noch mehr Trainingskilometer. Da kann viel passieren.

Groß gewachsen und athletisch sind die zwei, auch sind sie als Brüder wie die Klitschkos füreinander da. Da passt der Vergleich. Wenn es bei dem einen nicht so läuft, dann motiviert der andere. So wie bei Marek, der sich im vergangenen Herbst mit seinem Rücken herumschlug, während Hendrik in Ruhe weitermachen konnte. So musste der Bruder allein nach Wuppertal zur Kurzbahn-DM. In der Schwimmoper belegte er bei seinem Mammutprogramm über 100m, 200m, 400m und 800m achtbare Platzierungen zwischen 15 und 25 im Erwachsenenfeld. Talent haben sie, keine Frage. Aber man sieht auch noch den Abstand und den Weg bis ganz nach vorne.

Rio 2016 ist das erste große Etappenziel der zwei. Aber alles geht derzeit Schritt für Schritt. Unaufgeregt, sportlich orientiert, aber nicht blindlings. Die Schulzeit ist vorbei, die Ausbildung hat gerade begonnen. Die erste gemeinsame Wohnung ist bezogen. Auch das Management im „Team Ulrich“ kommt mit Heiko Bergt aus dem Umfeld. Die drei kennen und schätzen sich aus der Kinderstadt „Dessopolis“. Hier sind sie mittlerweile als Paten aktiv.

Wir werden die beiden und ihren Werdegang mit der „Perspektive Gold“ in den kommenden Jahren begleiten. Auch, weil sie den Klitschkos eines schon voraus haben: Gegeneinander geschwommen sind sie schon – sogar vor den Augen der Eltern.

Mehr über die Ulrich-Zwillinge unter „Ulrich Brüder“ bei Facebook und bald unter www.ulrich-brueder.de.

Robert, der Leichtathletik-Verrückte

Robert Polkowski aus Köln ist kein gewöhnlicher Typ. Man merkt das ziemlich schnell. Zumindest sind Mathestudenten nicht dafür bekannt, dass sie in Sportklamotten und mit federndem Schritt durch die Universität schweben. Auch nicht 100m-Sprinter. Und wenn der 19 Jahre alte Student an der Sporthochschule Köln das Leichtathletik-Zentrum betritt, dann freuen sich die Vereins- und Trainingskollegen des Leichtathletik-Teams DSHS Köln. Spätestens mit Robert betritt auch ein Schuss positive Verrücktheit und gute Laune die Halle oder den Platz. Immer. Selbst an schlechten Tagen. Fleißig, uneitel. Einer, der sich für den Sport und seine Ziele quälen kann. Weil er es will.

„Robert ist ein Leichtathletik-Verrückter“, beschreibt Trainer Tobias Alt seinen Athleten. „Er denkt jeden Tag und jede Sekunde darüber nach, wie er noch besser werden kann.“  In diesem Jahr haben sie für sich die ersten Antworten gefunden. So scheint es. Bronze bei den U20-Europameisterschaften über 100m. Das zweitbeste deutsche Resultat der vergangen zehn Jahre. Silber mit der 4x100m-Staffel. Deutscher Junioren-Meister U23 über 100m und Hallenmeister in der Jugend über 60m. Bestleistung  über 100m 10,40s. Nominiert bei der Wahl zum Jugend-Leichtathleten des Jahres.  Nicht schlecht für einen, der bis Jahresbeginn noch nicht einmal einen Einzelkreismeistertitel vorweisen konnte.  Damit kokettiert er manchmal. Wohl zweite und dritte Plätze, auch auf nationaler Ebene.

Der Stern des kölschen Jungen aus dem Stadtteil Nippes ging jedenfalls eher bedächtig auf. Im Prinzip erst seit 2012. Eine schöne Geschichte erzählt ein Trainer gerne, der Robert und seinen Sohn in jungen Jahren zu den ersten gemeinsamen Wettkämpfen fuhr. Robert war immer schon überzeugt davon, dass er noch viel schneller werden könnte.  Viel schneller. Obwohl er bis heute nicht der Längste ist. Naja, habe er damals gedacht. Und nicht nur er. Heute denkt der gleiche Coach: Mal sehen, wo das hinführen mag. Mittlerweile ist Robert 178cm hoch und 82kg schwer. Immer noch kein Gardemaß für einen Sprinter.

So mag es auch nicht verwundern, dass er erst jetzt in den deutschen B-Kader gelangte. Das ihn die Sportstiftungen, Sporthilfen und Förderungen noch nicht erreicht haben, allein der Verein hilft durch die eigene Topteam-Förderung. Der Landesverband im NRW-Kader. Aber genau deshalb hat ihn die „Perspektive Gold“ mit aufgenommen. Um dabei zu sein. Um zu sehen, wo das alles enden könnte. „Den perfekten Lauf hatte ich noch nicht“, sagt Robert Polkowski. 2014 sind Europameisterschaften. Zum Beispiel …

Update Robert:
Inzwischen hat die Förderung der Sportstiftung NRW den Leichtathletik-Verrückten erreicht. Er ist seit Anfang des Jahres 2014 Mitglied im Nachwuchselite-Team NRW und erhält eine monatliche Individualförderung … und er hat seine Bestleistung auf 10,35s gedrückt und ist noch mal deutscher Vize-Meister bei den U23 Junioren geworden. Bei Robert läuft es weiterhin.

Constanze – ein Unternehmenszwilling in voller Fahrt

Mehrfache Gewinnerin von Medaillen bei internationalen Jugendmeisterschaften. Europameisterschaften, Weltchampionate, Europäische Jugendspiele. Die Seglerin Constanze Stolz gehört zu den erfolgreichsten jungen Seglerinnen der jüngeren Vergangenheit in Deutschland. Damit dass auch in Zukunft so bleiben kann, hat sich um die 18 Jahre alte Abiturientin mittlerweile eine illustre Gemeinschaft an sportlichen, beruflichen und wirtschaftlichen Förderern entwickelt. Schließlich träumen sie alle mit ihr gemeinsam den Traum vielleicht sogar von einer Teilnahme an Olympischen Spielen. Obwohl die Düsseldorferin sich gar nicht so auf das eine große Ziel festlegen mag. „Ich möchte mal ganz vorne mit dabei sein. An der Spitze“, sagt sie im Gespräch mit dem Sportausweis-Team von „Perspektive Gold – junge Sportler im Fokus“ und bezieht ihre sportlichen Sehnsüchte eher auf eine künftige dauerhafte Präsenz in der internationalen Elite. Die „Perspektive Gold“ wird sie auf ihrem Weg dorthin nun regelmäßig verfolgen und treffen.

Natürlich ist Constanzes Vorhaben ambitioniert. Aber dafür hat sie ja ihre Begleitungen. Mit ihren Eltern und Trainern koordiniert sie gemeinsam den Spagat zwischen der Heimat und dem Trainingsrevier an der Ostsee. Räumlich, inhaltlich, sportlich. Das Sailing Team Germany in voller Fahrt. Dazu kommen die Förderer. Das dokumentiert sich beispielsweise in ihrer Mitgliedschaft im Stockheim Team Rio Düsseldorf oder in der Begleitung durch ihren Heimatverein, den Düsseldorfer Yachtclub.

Eher im Hintergrund, aber an einer sehr entscheidenden Stelle, wirkt die Sportstiftung NRW. Sie ermöglicht der Psychologie-Studentin über die ARAG AG, neben dem Studium an der Fernuniversität Hagen auch ihre berufliche Entwicklung als sogenannter Unternehmenszwilling voranzutreiben. So lassen sich die Anforderungen von Ausbildung und Leistungssport wesentlich besser vereinbaren. „Individuelle Förderung nah am Athleten und mit dem Athleten“ hat sich die Initiative „Neue Generation Leistungssport“ der Sportstiftung NRW auf die Fahne geschrieben, zu der auch Constanze Stolz zählt.

Die Sportstiftung fördert dabei vor allem das sogenannte individuell erforderliche Fachkräfte- und Betreuungsumfeld des Topnachwuchses. Sie begleitet und moderiert dabei auch die schulische und berufliche Karriere junger Athleten. Zum Beispiel auf Basis der Initiative „200 Patenschaften für 200 Topathleten“ mit den Industrie- und Handelskammern von Nordrhein-Westfalen und unter der Federführung der IHK Köln.

Mehr Infos zum Thema:

www.ostseeferientraum.de/constanze_stolz/

www.sportstiftung-nrw.de

www.stockheim-teamrio.de

Neue Serie: Perspektive Gold – Junge Sportler im Fokus

Wer folgt unseren aktuellen Olympioniken? Wer gehört zur kommenden Generation? In unserer neuen Serie „Perspektive Gold – Junge Sportler im Fokus“ wollen wir junge Sportler aus ganz Deutschland und ihre Förderer in loser Folge vorstellen und begleiten auf ihrem Weg zu Olympia, nach Brasilien und Rio 2016 beispielsweise oder zu den Winterspielen 2018 in die südkoreanische Stadt Pyeongchang. Begonnen haben wir mit zwei jungen Ruderern am Ruderleistungszentrum Dortmund

In Dortmund wird es auch für den Nachwuchs im Ruderleistungszentrum um U23-Trainer Peter Thiede ernst. Vom 22. bis 28. Juli finden im österreichischen Linz die Weltmeisterschaften statt. Mit im deutschen U23-Achter werden auch die beiden Dortmunder Nachwuchsruderer Alexander Thierfelder und René Stüven sitzen. Wir haben die beiden Stipendiaten der Caspar-Ludwig-Opländer-Stiftung zum Auftakt der Serie beim Training besucht und begleitet.

Zusammen mit Björn Birkner und Johannes Weißenfeld wurden Thierfelder und Stüven  im Juni Deutscher Vizemeister im Achter bei den nationalen Titelkämpfen auf dem Fühlinger See in Köln. Knappe zwei Sekunden fehlten zum Titel. „Der Achter mit unseren Jungs war klar benachteiligt. Die Bahn eins hatte starken Seitenwind, während das siegreiche Boot auf Bahn fünf ruderte“, kommentierte Peter Thiede den Ausgang. Über die Ziele bei der WM in Österreich kann Thiede nur ungenau Auskunft geben. „Im Grunde wird man vor Ort erst einmal völlig überrascht von der Leistungsstärke der Konkurrenz. Es gibt leider keine Weltcups, auf denen man sich im Vorfeld vergleichen kann. Das ist ein absolutes Manko.“

Die Arbeit von Peter Thiede, der seit Anfang 2009 für die U23-Athleten am Ruderleistungszentrum Dortmund verantwortlich ist, und Werner Nowak, der im Herbst dazustieß, trägt außerordentliche Früchte. Nicht nur die aktuelle Abstellung von sechs Dortmunder Nachwuchsruderern, sondern auch die Zuarbeit für Männer-Bundestrainer Ralf Holtmeyer hat sich bewährt. Mit Maximilian Planer, Malte Jakschik und Felix Wimberger haben sich gleich drei der bisherigen U23-Stipendiaten der Caspar-Opländer-Stiftung durchgesetzt und sind jetzt im A-Kader.

Wie es Alexander Thierfelder und René Stüven in den kommenden Monaten ergehen wird, das werden wir spätestens im Frühjahr 2014 erfahren. Dann wollen wir bei den  beiden auf ihrem Weg nach Rio wieder in Dortmund vorbeischauen.

Quelle: www.deutschlandachter.de

Spitzensport im Gespräch: Karla Borger und Britta Büthe

Beachvolleyball war aus deutscher Sicht die Olympische Offenbarung des Londoner Sommers. Karla Borger (23) und Britta Büthe (24) starten für den MTV Stuttgart. Wir haben bei den Deutschen Meisterschaften in Timmendorf mit den beiden gesprochen, die zu den Hoffnungsträgern für die nächsten Spiele in Rio de Janeiro 2016 zählen. Seit  2010 spielen sie zusammen, wurden Weltmeisterinnen bei der Studenten-WM in Alanya im gleichen Jahr und gewannen 2011 die Goldmedaille bei der Universiade in Shenzhen (China). In diesem Jahr belegten Borger/Büthe bei den Europameisterschaften in Scheveningen und dem Grand Slam in Rom jeweils Platz fünf.

DSA_120830_Header_InterviewWann, wie und wo begann euer gemeinsamer Weg? Was waren die entscheidenden Kriterien für euch, gemeinsam auf Erfolgsjagd zu gehen?

Borger: Wir kennen uns schon lange aus der Halle von Sichtungslehrgängen, Bundespokalturnieren und unserer gemeinsamen Zeit in der Jugendnationalmannschaft. Nachdem wir uns sowohl sportlich als auch menschlich schätzten, brauchten wir nur noch den Hinweis von Trainer Jörg Ahmann 2010 vom Olympiastützpunkt in Stuttgart, dass wir ja beide noch ohne aktuellen Beachvolleyballpartner seien, um uns zusammenzutun.

Was macht euch beide als Duo stark, was zeichnet euch aus?

Büthe: Wir sind beides Spielertypen, für die es nichts Besseres gibt als auf dem Beachfeld um Siege zu spielen. Dass wir auch gut mit einander klarkommen, verbessert natürlich die Kommunikation auf dem Feld und gibt uns noch einen weiteren Schub.
Borger: Da kann ich mich Britta nur anschließen. Wir sind ehrgeizig und haben gleichzeitig noch Spaß an dem was wir machen dürfen.

Wie dürfen sich unsere Leser euren Alltag vorstellen? Konzentriert Ihr euch ausschließlich auf eure sportliche Karriere oder befindet ihr euch parallel in beruflicher Ausbildung?

Büthe: Priorität hat der Sport. Zu den Trainingseinheiten im Sand kommt Kraft- und Athletiktraining, Termine bei Physiotherapeuten und Ärzten, organisatorische Aufgaben wie Flüge/Hotels buchen, Trainingslager organisieren,… In der Zeit, die dann noch bleibt, versuche ich mein Studium in Lebensmitteltechnologie an der Uni Hohenheim voranzutreiben!
Borger: Eigentlich ist unser Sport ein Fulltime-Job und dementsprechend sind wir hauptsächlich damit beschäftigt. Ich versuche nebenher noch ein Fernstudium an der HS Ansbach in International Management zu absolvieren.

Ihr könnt auf ein sehr erfolgreiches Jahr zurück blicken, national, wie international. Hattet ihr das so schon erwartet?

Büthe: Schon letztes Jahr hatten wir ein sehr gutes Jahr. Am Anfang dieser Saison haben wir uns dann schwer getan, die Erwartungen, die wir dadurch an uns selbst hatten, auch zu erfüllen. Im Laufe der Saison ist uns das aber immer besser gelungen und so können wir vor allem mit dem 5. Platz bei der Europameisterschaft sowie dem 5. Platz beim Grand Slam in Rom sicherlich sehr zufrieden sein.

Was für Ziele habt ihr für das nächste Jahr?

Büthe: Wir haben dieses Jahr schon in Rom gezeigt, dass wir ein Viertelfinale auf der World Tour erreichen können. Das wollen wir natürlich nächstes Jahr  wiederholen und vielleicht ja auch noch ein paar Spiele mehr gewinnen! Als großes Highlight steht nächstes Jahr zudem noch die WM in Polen auf dem Programm!
Borger: Ein weiteres Ziel wird es sein unser Umfeld weiterhin auszubauen.

Ihr trainiert bei  Marvin Polte und auch bei Jörg Ahmann am Olympiastützpunkt in Stuttgart. Ahmann hat selbst Bronze bei Olympia gewonnen. Hat er euch bereits auf Olympia 2016 in Rio eingeschworen? Ist das euer erklärtes Ziel?

Borger: Olympia 2016 ist sicherlich das große Ziel und natürlich hilft es, wenn man einen Trainer im Team hat, der dieses Ziel auch schon einmal selbst erreicht hat. Wichtig für uns sind jedoch jetzt auch die kleinen Zwischenziele, die wir auf dem Weg dahin in den nächsten Jahren erreichen wollen.

Welche Teams könnten auf dem Weg dorthin eure Hauptkonkurrenten werden?

Büthe: Schwierig zu sagen, da ja noch nicht fest steht, wer mit wem die nächsten Jahre auf Punktejagd geht.

Spornt der olympische Erfolg von Julius Brink und Jonas Reckermann noch einmal besonders an?

Büthe: Es ist einfach Wahnsinn, was die Jungs erreicht haben! Es zeigt aber, was mit Talent, Willensstärke und einem guten Umfeld alles möglich ist. Vor allem im letzten Punkt wollen wir uns für das nächste Jahr noch professioneller aufstellen und hoffen, dass es dadurch für uns auch noch ein Stückchen weiter nach vorne geht.
Borger: Und wie das anspornt! Jonas und Julius haben es uns vorgemacht, wie man über Jahre hinweg auf Weltniveau vorne mitspielt.

Uns ist aufgefallen während der Deutschen Meisterschaft am Timmendorfer Strand, dass ihr trotz Turnierstress und vieler Termine immer fröhlich und aufgeschlossen bleibt inmitten der Fans und Zuschauer. Wie wichtig ist euch der direkte Kontakt zu euren Fans?

Büthe: Wir haben beide meistens gerne unsere liebsten Menschen um uns. Die Deutsche Meisterschaft in Timmendorfer Strand ist dafür natürlich ein tolles Ereignis, weil Freund, Freunde und Familie dabei sind um uns unterstützen.
Borger: Ja das sind wir. Es hilft unheimlich Unterstützung und Zuspruch von Fans zu bekommen.

Seid Ihr denn mit eurem Ergebnis ( 5. Platz ) in Timmendorf zufrieden oder hattet ihr euch mehr erhofft?

Büthe: Ein Platz auf dem Podium hatten wir vor dem Turnier als Ziel ausgegeben. Nach den zwei knappen Niederlagen gegen Holtwick/Semmler und Banck/Walkenhorst waren wir schon sehr enttäuscht, müssen aber anerkennen, dass am Wochenende einfach andere besser waren. Aber umso größer ist jetzt schon die Motivation für das nächste Jahr!
Borger: Ich bin überhaupt nicht zufrieden, aber mit etwas Abstand kann ich sagen, dass ich bis unter die Fingernägel top motiviert in die Vorbereitung gehe!!!

War das nun der Abschluss der Saison, oder geht es für euch noch weiter?

Büthe: Wir  starten noch beim „Queen of the Beach“-Turnier in Jülich Anfang September, bei dem wir mit Sara Goller und Laura  Ludwig „jeder mit jedem“ spielen, danach ist erst einmal Pause und Urlaub angesagt, bevor dann der Aufbau für die nächste Saison beginnt.
Borger: Und im November steht dann noch das World Tour Turnier in Thailand an.

Wir bedanken uns herzlich, dass ihr euch die Zeit genommen habt, unsere Fragen zu beantworten. Mit großem Interesse werden wir euren weiteren sportlichen Werdegang verfolgen. Wir wünschen euch viel Glück und Erfolg auf eurem Weg zu den Olympischen Spielen in Rio 2016.

Interview: Eva Halbgewachs für Deutscher Sportausweis

Weiterführende Links:
Marvin Polte
www.beachvolleyballcamp-muenchen.de

Vanessa Low und die Paralympics

Vor sechs Jahren wurde die damalige Schülerin in ihrer norddeutschen Heimat Ratzeburg von einem Zug erfasst. Die Ärzte müssen Vanessa Low beide Beine bis zum Oberschenkel amputieren. Zwei Monate lang liegt sie im Koma, fünf Monate im Krankenhaus. Dort beschließt sie, weiterhin Sport zu treiben und entscheidet sich für die Leichtathletik. Bis heute mit großem Erfolg. Seit 2009 startet die angehende Mediendesignerin für Leverkusen, wird von der ehemaligen Speerwerferin Steffi Nerius trainiert und  wohnt mit ihrem Freund Markus Rehm im Rheinland, der ebenfalls bei den Paralympics starten wird.

DSA_120724_Header_InterviewVanessa, sind Sie schon nervös?
Ich merke, dass London immer näher rückt. Die Paralympics sind unser einziger wirklich öffentlicher Wettkampf und damit steigt auch der Druck. Das kommt  durch meine Ansprüche sowie die Erwartungen und Wünsche der Familie, die ich mit mir trage. Meine Trainerin Steffi Nerius sagt, gewonnen wird im Kopf.  Momentan durchlebe ich immer wieder meinen Wettkampftag. Vom Aufstehen bis zum Wettkampf.  Aber noch ohne Resultat…

Wie würden Sie denn ihr Potenzial bewerten?
Im ersten Wettkampf nach dem Trainingslager im Mai bin ich in Leverkusen 4,21m gesprungen. Bestleistung, inoffizieller Weltrekord. Im Training geht es auch schon weiter. Wenn ich überlege, dass ich erst im vierten Jahr springe, dann ist da sicher noch Potenzial. Und ich habe seit gut einem Jahr kaum noch Beschwerden im Training durch Druckstellen oder ähnliches.

Welche Rolle spielen dabei Ihre Prothesen?
Bei meinem ersten Erfolg in Bangalore 2009 hatte ich noch steife Prothesen. Danach bekam ich dann Prothesen mit Kniegelenk. Es braucht zwar lange, bis man die richtig beherrscht. Ich bin jetzt erst wieder so schnell wie damals. Aber beim Weitsprung brauchst Du das Kniegelenk. Es ist der Knackpunkt für gute Sprünge.  Richtig interessant könnte es für mich dann noch werden, wenn jemand ein Kniegelenk erfindet, das nahe an dem menschlichen Leistungsvermögen ist. Dann könnte ich auch weitenmäßig mit den Unterschenkelamputierten mithalten.

Was ist denn für Sie die besondere Herausforderung beim Weitsprung?
Man muss die Federn der Prothese beherrschen, denn jeder Fehltritt wird bestraft. Da ich eine der wenigen Doppel-Oberschenkelamputierten bin,  ist bei mir mit zwei Federn das Potential für Fehler noch größer.  Jeder Schritt muss passen, damit man dann richtig zum Brett kommt. Dann muss ich den Absprung richtig treffen. Nicht zu fest, nicht zu steil. Wenn ich mit 100 Prozent auf die Prothese knallen würde, katapultieren die Federn den Oberkörper-Schwerpunkt zu weit nach vorne und ich kann die Balance nicht halten. Es ist also eine Frage der Dosierung und Technik.

Wie hoch ist dann der Anteil des richtigen Materials am Erfolg?
Ich schätze, dass Talent circa 20 bis 30 Prozent des Erfolgs ausmacht. 60 Prozent  kommen durch das Training – und die letzten 10 bis 20 Prozent macht das Material aus. Das kann also ein sehr entscheidender Anteil sein.

Ist ihre Familie in London mit dabei?
Das Verhältnis ist durch den Unfall noch enger geworden.  Das sieht man schon daran, dass meine Mutter Silvia meine beste Freundin ist. Mein Vater André hat immer alle Zahlen und Wettkampftermine im Kopf. Er war früher auch Leichtathlet und sicher lebe ich auch seinen Olympischen oder Paralympischen Traum. Meine Eltern sind in London auf jeden Fall dabei, meine Schwestern Cynthia und Olivia bleiben zuhause.

Sie wirken sehr erwachsen mit Ihren 21 Jahren, oder täuscht das?
Durch meinen Unfall bin ich sehr schnell erwachsen geworden, viel schneller als beispielsweise meine Klassenkameraden. Ich war früher nicht so ehrgeizig und zielstrebig. Meine Eltern sagen, ich war als  Kind eine Katastrophe und habe viel, viel Blödsinn gemacht.

Haben Sie Vorbilder in Ihrem Sport?
Katy Sullivan und Cameron Clapp. Ihr Lebensmut hat mir Kraft gegeben, von Anfang an. Cameron ist nach einem Zugunfall dreifach amputiert und läuft trotzdem.  Katy fehlt das gleiche wie mir. Und heute ist sie meine direkte Konkurrentin, fantastisch.

Was bringt Ihnen Ihr Sport?
Mein Sport vermittelt mir tolle Erlebnisse. Ohne Sport hätte ich das alles nicht erleben dürfen. Kein Weltrekorde, keine Weltmeisterschaften und auch keine Paralympics.

Und was wünschen Sie sich für Ihren Sport?
Das der Sport mehr in der Öffentlichkeit und in den Köpfen der Menschen bleibt. Nicht wieder für vier Jahre verschwindet. Und das sich bei vielen Menschen und Institutionen durch die jetzt ansteigenden Berichterstattung grundlegend die Einstellung gegenüber dem Behindertensport verändert. Meine Krankenkasse hat mir damals die Bezahlung meiner Sportprothese abgelehnt, weil es kein Grundbedürfnis auf ein sportliches Leben gäbe. Und viele Eltern wollen nicht wahrhaben, dass ihre Kinder behindert sind. Das ist sehr, sehr schade, denn sie nehmen ihnen damit die Chance, sich auf Augenhöhe sportlich zu messen anstatt hinterher zu laufen. Das sollte sich grundlegend ändern.

Quelle: Deutscher Behindertensportverband