Kampfrichter finden: „Eltern mit ins Boot!“

Es ist für nahezu alle Vereine und Verbände eine ungemein wichtige – und auch stets wiederkehrende – Frage: Wie können wir mehr Menschen für die Kampf- oder Schiedsrichter-Laufbahn begeistern?

Im Interview spricht Leichtathletik-Kampfrichter Uwe Schmitt über seine Leidenschaft und den Spaß an der Passion, und gibt zusätzlich Tipps, wie Vereine die ersten Schritte auf Interessenten zugehen und so auch ihr gesamtes Angebot verbessern können.

Uwe Schmitt Kampfrichter Leichtathletik - Foto: Footcorner

Foto: Footcorner

Steckbrief

Uwe Schmitt (LT DSHS Köln)

Kampfrichter seit 2007

Größter Wettkampf: Finale Deutsche Mannschafts-Meisterschaft 2009

Leichtathletik seit 1975 (11 Jahre)

Mehrkampf (10-Kampf-Bestleistung in Juniorenklasse: 6.390 Punkte)

 

Warum bist Du Kampfrichter?

Ich war selbst aktiver Leichtathlet und möchte den Aktiven von heute das ermöglichen, was mir die Kampfrichter zu meiner Zeit ermöglicht haben. Neben der Liebe zu dieser Sportart empfinde ich für mich also durchaus eine  „moralische“ Verpflichtung nachfolgenden Athletengenerationen Wettkämpfe zu ermöglichen.

Wie lange dauert die Ausbildung?

Es findet zunächst eine Grundausbildung in allen Disziplinen bzw. Disziplinblöcken statt, die je nach Verband an ca. zwei Wochenendtagen oder auch über mehrere Schulungsabende in der Woche angeboten werden. Danach erfolgt der Einsatz in der sich anschließenden Saison zunächst in einem Kampfgericht zusammen mit erfahrenen Kampfrichtern, d.h. ganz einfach „learning by doing“. Mit jedem Wettkampf wächst natürlich auch die Erfahrung.

Zusätzlich hat jeder Kampfrichter die Möglichkeit sich zu spezialisieren: zum Obmann, Schiedsrichter, Starter, zum Mitarbeiter im Wettkampfbüro oder auch Lehrreferent.

Aufgrund des sehr umfangreichen Regelwerks in der Leichtathletik werden dann jährlich eintägige Kampfrichterschulungen zur „Auffrischung“ angeboten, inklusive der Bekanntmachung von Regeländerungen bzw. neuen Regeln.
Wer einmal das „IWR-Büchlein“ der Internationalen Wettkampfregeln durchgeblättert hat, versteht, dass ein Leichtathletik-Kampfrichter „nie wirklich ausgelernt hat“.

Was fasziniert dich eigentlich am Kampfrichterdasein?

Gemeinsam mit allen anderen Kampfrichtern und auch Helfern den Wettkampf-Zeitplan einzuhalten. Das ist Herausforderung und Faszinosum zugleich, insbesondere bei großen Teilnehmerfeldern.

Gibt es ein schönstes Erlebnis als Kampfrichter?

Grundsätzlich immer dann, wenn Athleten sich nach dem Wettkampf bei mir als Kampfrichter persönlich bedanken, ist das ein toller Moment. Bei den Wettkämpfen der „Gay Games 2010“ in Köln kamen dazu noch Hawaiiketten in schwarz-rot-gelb, die allen Kampfrichtern von Teilnehmern umgehängt wurden. Das war schon nett.

Was ist dein größter Wunsch als Kampfrichter?

Realistische Zeitpläne seitens der Veranstalter, d.h. immer noch genug Zeit für „die Bratwurst oder das Stück Kuchen zwischendurch“.

Welche negativen Erfahrung hast du gemacht?

Das möchte ich nicht so bewerten. Als Leichtathletik-Kampfrichter gewöhnst du dich über die Jahre daran, aus allen Situationen das Beste zu machen. Nur Dauerregen in Kombination mit kühlen Temperaturen beim Freiluftwettkampf finde ich schon doof… kommt aber sehr selten vor.

Warum würdest du das „Kampfrichtern“ anderen empfehlen?

Als Leichtathletik-Kampfrichter bist du viel an der frischen Luft, kannst  sehr abwechslungsreiche Tätigkeiten machen, arbeitest im Team mit motivierten Menschen zusammen, wirst i.d.R. bestens verpflegt und hast die Möglichkeit Spitzenathleten „hautnah“ zu erleben.

Welche Rolle spielt für deine Kampfrichter-Laufbahn der Heimatverein?

Als junger Leichtathlet bekam ich schon mit, dass vom Vorstand und Trainern meines damaligen Vereins immer wieder Kampfrichter gesucht wurden. Da war die Art und Weise, wie insbesondere einige Eltern sich als Kampfrichter engagiert haben, schon auch prägend für meine Motivation heute.

Hast Du eine Empfehlung, was Vereine (besser) machen könnten, um neue Kampfrichter zu gewinnen?

Eltern von aktiven Schüler- und Jugendleichtathleten müssen unbedingt „mit ins Boot“, dass ist einfach naheliegend. Da ist anfangs auch Aufklärung nötig. Viele Eltern haben oft gar keine Vorstellung davon, wie viele Kampfrichter zum Beispiel für eine Kreis-Meisterschaft nötig sind und dass dabei wirklich JEDER gebraucht wird. Die Eltern also zusammenbringen, informieren und ihnen sagen, dass sie gebraucht werden, nach dem Motto: „…gar nicht erst auf die Tribüne, direkt auf den Platz“. Als „Helfer“ können sie dann die erste Wettkampfluft schnuppern. „Helfer-T-Shirts“ motivieren dabei auch Eltern.

Die ersten Grundlagenkenntnisse für Kampfrichter können auch im Verein vermittelt werden, zum Beispiel von einem Trainer oder einem erfahrenen Kampfrichter aus dem Verein. Die „IWRs“ dabei zunächst außen vor lassen, die vielen Regeln könnten anfangs abschreckend wirken. Wenn man die wichtigsten Regeln zuerst in komprimierter Form vermittelt, kann der erste richtige Kampfrichtereinsatz Freude machen und damit „Lust auf mehr“ wecken. Die erfahrenen Kampfrichter müssen demzufolge Neulinge unbedingt gut führen und motivieren, sie auch mal loben.

Ideal ist, wenn zwei, drei Eltern sich zu Obleuten ausbilden lassen und im Verein als Ansprechpartner für Kampfrichter fungieren und die Wettkampfeinsätze mit vorbereiten bzw. koordinieren. Alle Maßnahmen, die die Eltern als Kampfrichtergruppe „zusammenwachsen“ lassen sind erwünscht. Dann gelingt es auch leichter, mal einen „Externen“ zu begeistern.

(Quelle: Sportausweis)

Ein Gedanke zu “Kampfrichter finden: „Eltern mit ins Boot!“

  1. natürlich wäre es schön wenn die Eltern sich zu Obleuten, Trainer, Betreuer u.s.w. ausbilden lassen würden. Aber meistens geben die Eltern ihre „Schützlinge“ beim Verein ab, und kümmern sich dann nicht mehr darum.

    Das ist auch bei Trainings- und zu Punktspielen Fahrten so.
    ( Ausnahmen bestätigen die Regel )

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